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ANSPRECHEN 2020

12. November 2020

Bericht: ANSPRECHEN 2020


Im Zuge einer Veranstaltungsreihe von Mai bis September 2020 hat die ZV Steiermark in Reaktion auf die aktuelle Situation ein neues Online-Diskussionsformat geschaffen welches bisher an vier Abenden die Themenfelder: Wohnen nach Corona, Öffentlicher Raum nach Corona, Architektur und Klima sowie Rurale Potentiale behandelte.
Jeweils 4-5 DiskutantInnen aus verschiedenen Disziplinen bildeten ein Podium. Alle Diskussionen wurden seitens ZV inhaltlich aber natürlich auch organisatorisch und technisch vorbereitet und moderiert. Die vier Veranstaltungen wurden über die Plattform ZOOM gestreamt, die Zugangslinks wurden per Mail nach Voranmeldung verschickt. Die jeweils 40-60 ZuhörerInnen waren eingeladen ihre Fragen während der Diskussion im Chat aber auch nach der Diskussion in einer offenen Runde (Foyer) zu stellen. Dank eines interessierten Publikums wurde auch im anschließenden offenen Foyer sehr angeregt weiterdiskutiert, und das ein oder andere Thema vertieft.
Die ZV-Steiermark freut sich das Format mit anderen Themen weiterzuführen, da es mittels Onlinediskussion möglich war DiskutantInnen, die normalerweise keine Zeit hätten für einen Abend nach Graz zu kommen, einzuladen und sowohl das Interesse im Vorfeld als auch das Feedback zu den bisherigen Diskussionen sehr positiv war.

Wir bedanken uns beim Land Steiermark, Baukultur in der Steiermark für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe Ansprechen. 

 


Ansprechen: Wohnen n.C. am 20. Mai 2020


In einer ersten Runde wurde laut über das Thema Wohnen während und nach „Corona“ nachgedacht. Arch. Mag. Dr. Gabu Heindl, GABU Heindl Architektur, AA Architectural Association, London, Dipl.-Ing. Dr.techn Andrea Jany, RCE - Regionales Zentrum für Nachhaltigkeit der Universität Graz, Institut für Wohnbauforschung, Mag. Barbara Ruhsmann, Forum Wohn-Bau- Politik und Mag. Dr. Florian Stadtschreiber, ARE Urban Development bestritten die äußerst spannende Diskussion die sich um die Konsequenz der aktuellen Situation auf unsere Wohn- und Lebensräume drehte. Viele von uns verbringen nunmehr fast den ganzen Tag, die ganze Woche, ein ganzes Monat oder zwei, in ihrem Zuhause. Neben Schlafraum, Bad, Esszimmer, Küche und Spielzimmer muss die Wohnung nun als Büro, Klassenzimmer, Konzertsaal, Kino, Besprechungsraum, Proberaum, Atelier, Turnsaal, Fitnessstudio uvm. funktionieren. Können die aktuellen Wohnbauten/Räume das Alles leisten? Ist die Entwicklung von der Familienwohnung hin zur Smartwohnung im Schatten von SARS-CoV-2 noch zeitgemŠ§? Wie ßexibel oder determiniert sollte Wohnraum sein? Sind unsere aktuellen Wohnmodelle zukunftsfähig oder ist ein größeres Umdenken angebracht? Diese und noch viele andere Fragen wurden aus Sicht einer Architektin, eines Bauträgers, einer Wohnbauforscherin, einer Politikerin aber vor allem auch in Bezug auf die sozialen und emotionalen Herausforderungen diskutiert. Der Bogen spannte sich von den akuten Folgen der Krise bis hin zu langfristigen Überlegungen zur Verteilung von Wohnraum. Der Standard (Franziska Zoidl) berichtete an 5. Juni unter dem Titel: Nach Corona: "Möchte nie wieder über acht Quadratmeter große Zimmer diskutieren" über die Diskussion. Hier gehts zum Artikel.


Ansprechen: Öffentlicher Raum n.C. am 27. Mai 2020


In einer zweiten Diskussionsrunde ging es um die Auswirkung der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums. Die große Fragestellung lautete: Was lernen wir aus der Corona-Krise?
Leere Straßen und Plätze, kaum motorisierter Verkehr, so gut wie keine Passanten, stattdessen Enten und andere Wildtiere – ein durchaus interessantes Bild welches unsere Innenstädte in den letzten Wochen boten. Sterben unsere Innenstädte ohne Konsumtempel völlig aus? Ist bloßer Aufenthalt an öffentlichen Plätzen wirklich nicht mehr zeitgemäß? Wo finde ich die nächste Sitzgelegenheit? Sind denn wirklich Alle im Park? Wollen wir den öffentlichen Raum als Aufenthaltsraum aufgeben und ihn völlig dem Konsum / den Geschäftsinteressen überlassen? Oder sollten wir uns hier vielleicht auch einmal einmischen?
Es diskutierten: Associate Prof. Dipl.-Ing.(FH) Dr.phil. Sabine Knierbein, Stadtkultur und öffentlicher Raum TU Wien, Arch. Univ.-Prof. Aglaee Degros, Institut für Städtebau TU-Graz, Mag. Rainer Rosegger, Soziologe, SCAN - Agentur für Markt- und Gesellschaftsanalytik, Arch. Dipl. Ing. Heidrun Primas, Forum Stadtpark und DI Wojciech Czaja, Journalist, Buchautor, Moderator, Dozent an der Kunstuniversität Linz und Universität für Angewandte Kunst Wien. Einen Kurzbericht unter dem Titel: „Ansprechen: öffentliche Räume“ hat Andrea Jany für das Architektur & Bau Forum #9/2020 verfasst. Hier gehts zur Aufzeichnung der Diskussion.


Ansprechen: Architektur und Klima am 8. Juli 2020


Die dritte Runde, bestehend aus Prof. Dr. Werner Sobek, Universität Stuttgart, Werner Sobek AG; Mag. Arch. Markus Jeschaunig, agency in biospehre / Breathe Earth Collective; DI Vera Enzi, GRÜNSTATTGRAU und Arch. DI Dr. David Calas, Studio Calas, Learning from Quarantine, beschäftigte sich mit dem Thema Architektur und Klima. Die Tatsache dass das Baugeschehen für einen großen Teil der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich ist fordert die Branche zu unmittelbarem Handeln auf. Was brauchen wir für eine klimafreundliche Zukunft? Was kann die Architektur beisteuern? Welche Ideen, Konzepte und Visionen braucht und gibt es ev. bereits um die gebaute Umwelt in Einklang mit der Veränderung des Klimas zu bringen? Die Kernthemen der Diskussion wurden auch in einem spannenden Artikel ( „Bauen gegen die Klimakrise“ von Franziska Zoidl) im Immobilienstandard vom 18.Juli 2020 besprochen.


ZV-Ansprechen: Rurale Potenziale am 16. September 2020

Baukultur endet nicht an den Grenzen der Städte. Der ländliche Raum bietet eine Fülle von Bauaufgaben, welche oftmals wenig präsent und bei den ArchitektInnen wenig Beachtung finden. Zersiedelung und Kulturlosigkeit wird dem ländlichen vorgeworfen. Welche Potenziale stecken im ruralen/ländlichen Raum, aber auch welche Probleme finden wir vor? Welchen Beitrag können ArchitektInnen liefern? Welche Möglichkeiten der Kooperation gibt es bzw. was fehlt? Sind sich Land und Stadt wirklich so fern? Nach Meinung der DiskutantInnen gibt es immer weniger Menschen die ihr ganzes Leben am Land oder in der Stadt verbringen, die Polarisierung sollte also eigentlich abnehmen. In der bisher letzten Runde diskutierten Mag. arch. MAS MBA Roland Gruber, nonconform, LandLuft, FH-Prof. DI Sonja Hohengasser, Hohengasser Wirnsberger Architekten, FH-KŠrnten, Mag.arch. Juri Troy, juri troy architects, TU-Wien und O. Univ.-Prof. Dipl.- Ing. Dr. Gerlind Weber, TU-Wien, BOKU darüber, dass es andere Lebensentwürfe abseits der Landwirtschaft aber vor allem sehr viele Individuelle Lösungen für die Regionen brauchen wird um auch zukünftig attraktiven Lebensraum (für eine Gesellschaft die auf die Vorteile der Stadt nicht verzichten will) zu bieten.
Auch zu dieser Diskussion gab es einen Bericht im Standard: Corona rückt das Land ins Zentrum.

 

Wir bedanken uns beim Land Steiermark, Baukultur in der Steiermark für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe Ansprechen.